Mitgliederversammlung vom 4.4.2017
im Hotel zur Post, Lüdinghausen

Josef Kersting verlas den Tafel-Geschäftsbericht 2016:

Liebe Mitglieder der Tafel Lüdinghausen,
ich begrüße Sie und euch herzlich zur Mitgliederversammlung 2017, in diesem Jahr mit der Neuwahl des Vorstandes.
Der Schirmherr der Lüdinghauser Tafel, Bürgermeister Richard Borgmann, muss heute zunächst an einer wichtigen Planungsausschusssitzung teilnehmen. Falls es zeitlich passt, will er später noch zu uns stoßen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung ist es mir und uns ein Bedürfnis, zweier lieber Menschen zu gedenken, die im vergangenen Jahr von uns gegangen sind und der Tafel als Mitarbeiter bzw. als Förderer zur Seite standen:  Bernd Wilmes und Dr. Peter Schotten.

Die Tafel Lüdinghausen hat das achte Jahr ihrer Tätigkeit abgeschlossen. Es war kein einfaches Jahr, wenn ich an die vielen Menschen denke, die in Deutschland Schutz gesucht haben und auch in Lüdinghausen und bei uns, bei der Tafel, als Geflüchtete um Hilfe baten. Dementsprechend hat sich auch bei der Tafel einiges verändert. 60 Prozent der Menschen, die von uns wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt werden, gehören zu Bedarfsgemeinschaften, die im Asylverfahren leben oder Migrationshintergrund haben; in Zahlen sind das rund 450 von 766 Personen, die zu 315 Bedarfsgemeinschaften gehören.
Gemeinsam haben wir die neuen Herausforderungen gemeistert. Das gilt vor allem für unser Personal bei der Aufnahme und dem Empfang der Kunden sowie beim  Verkauf. Die Verständigungsprobleme haben das Miteinander verändert. Nicht nur deshalb, sondern grundsätzlich ist es angebracht, dass wir einmal eine Standortbestimmung vornehmen, dass wir Abläufe, das Miteinader im Team und mit den Kunden beleuchten. Woher kommen wir – wo stehen wir – wohin wollen wir? Diese Standortbestimmung spricht in erster Linie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Büro, Empfang und Verkauf an. Deshalb soll schon in Kürze, und zwar am 11. April, um 19 Uhr ebenfalls im Hotel zur Post eine Gesprächsrunde dieses Teams stattfinden. Dazu wird nun eine Teilnehmerliste gereicht.
Die Tafel hat sich gewandelt. Und dennoch bekennen wir uns als Tafel ausdrücklich zur Hilfe für Menschen, die vor Gewalt uund Bedrängnis in ihren Heimatländern zu uns geflohen sind. Wir erleben auch gelingende gute Beispiele für Integration. Das macht uns Mut.
In diesem Zusammenhang erwähne ich eine neue Initiative, die unsere Tafel zusammen mit dem Arbeitskreis Asyl in Olfen startet. Vor einigen Monaten halfen wir bereits bei einer dezentralen Lebensmittelausgabe in Flüchtlingsheimen in Olfen. Die damalige Initiative scheiterte aus unterschiedlichen Gründen. Dieses Mal wird das Projekt gewissenhaft von Olfener Seite vorbereitet. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass das Projekt von Dauer sein wird. Am 26. April soll das Projekt beginnen.

Beim Rückblick liegt es mir zu allererst am Herzen, Dank zu sagen. Denn ohne die vielfältige Unterstützung hätte die Tafel nicht den neuen Anforderungen gerecht werden können.
Mein Dank gilt

  • zunächst den über 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Tafel. Sie sind das Herzstück unseres Betriebs, der sich zwei Zielen verschrieben hat: Vernichtung von Lebensmitteln verhindern und durch die Weitergabe dieser Lebensmittel Bedürftigen zu helfen. Ich habe einmal versucht, den ehrenamtlichen Einsatz in Zahlen zu fassen. Wir haben zurzeit mehr als 100 Aktive. Berücksichtigt man die Fluktuation bei Verhinderung, Krankheit, Urlaub usw. dann sind es durchschnittlich etwa 80 aller Aktiven, die an den Arbeitstagen Montag bis Mittwoch im Einsatz sind. Von ihnen werden bei den unterschiedlichen Diensten – vom Empfang und der Aufnahme neuer Kunden über die Touren zu den Lieferanten, das Sortieren der Lebensmittel bis zur Ausgabe der Ware wöchentlich etwa 180 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. Das sind im Jahr bei 50 Arbeitswochen sage und schreibe 9000 Stunden. Diese Zahlen sagen genug über die Herausforderungen und den Umfang der ehrenamtlichen Arbeit, die mit Geld nicht zu bezahlen ist. Der kürzlich verstorbene Alt-Bundespräsident Roman Herzog hat einmal gesagt: „Gemeinsinn, freiwilliges Engagement für andere, für die Allgemeinheit, das ist so etwas wie ein Gradmesser für die moralische Temperatur in einer Gesellschaft.“ – Zitat Ende – Sorgen wir gemeinsam dafür, dass es in unserer kleinen Gesellschaft in Lüdinghausen weiterhin warm bleibt.
  • Mein Dank gilt ferner
  • den Unternehmen in unserer Region, die uns Lebensmittel oder Produkte des täglichen Bedarfs, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr verkauft werden können, zur Verfügung stellen. Ohne sie müssten wir unsere Arbeit einstellen. Deshalb danke ich allen Sponsoren, die die Lüdinghauser Tafel mit Sach- oder Geldspenden unterstützen.
  • Peter Scharff, der Verantwortung für unsere Fahrzeuge übernommen hat und fast jeden Tag an der Tafelhalle anzutreffen ist. Unsere Fahrzeuge haben im vergangenen Jahr zusammen 22 400 Kilometer zurückgelegt, etwa so viel wie im Vorjahr. Der Kühlwagen hat knapp 12 600 Kilometer zurückgelegt und der kleine Transporter von Januar bis Juni 3200 Kilometer. Er wurde im Juni von dem Iveco abgelöst, der bis zum Jahresende 6600 Kilometer zurückgelegt hat. Die Investition dieses leistungsstarken Fahrzeugs hat sich bezahlt gemacht. Bezüglich der zulässigen Zuladung sind wir nun immer auf der sicheren Seite.
  • – nicht nur allen Aktiven, sondern besonders denen, die in irgendeiner Form zusätzliche Verantwortung übernommen haben – angefangen vom Bereitschaftsdienst mit Helga Ernst und Gisela Henke über den Fahrdienstleiter Franz-Josef Hörsken bis zu Gerd Beckmann und Karl-Heinz Kuhlmann, die in und rund um die Tafelhalle Hand anlegen, wann immer es nötig ist.
  • Danke sagen ich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die regelmäßig für die Leerung der Getränkepfandboxen in verschiedenen Geschäften sowie den Umtausch der Bons in Ware gesorgt haben.
  • Dem Steuerberaterbüro Niehoff /Heitkamp und Partner. Kompetent und unentgeltlich begleitet uns das Büro seit Bestehen der Tafel bei allen finanziellen Fragen. Hier gilt mein besonderer Dank Frau Möller im Büro und Seniorchef Norbert Heitkamp, der stets beratend zur Seite steht.
  • Dem gesamten Vorstand. Es waren weniger die sechs Sitzungen im vergangenen Jahr, sondern die kontinuierliche Tafelarbeit, die Zeit beanspruchte und immer wieder zu Entscheidungen herausforderte. Ich danke den Vorstandskolleginnen und -Kollegen für die harmonische, engagierte und zielorientierte Zusammenarbeit.

Als die Tafel Lüdinghausen vor acht Jahren die Arbeit aufnahm, kamen zu den ersten Ausgaben jeweils gut 100 Kunden, sprich Bedarfsgemeinschaften. Inzwischen hat sich die Zahl fast verdoppelt. Zu den 51 Ausgabetagen des Jahres 2016 kamen 9803 Kunden, also pro Ausgabe durchschnittlich 192. Versorgt wurden insgesamt 23 169 Personen. Vor einem Jahr, im Geschäftsjahr 2015, waren es durchschnittlich 218 Kunden pro Ausgabe, insgesamt waren es 10.923 Bedarfsgemeinschaften, die mit Ware für 21.435 Personen vesorgt wurden. Der Rückgang bei der Kundenzahl hat damit zu tun, dass im vergangenen Jahr nur noch an sechs Ausgabetagen Kunden in Südkirchen dezentral versorgt wurden, während es im Vorjahr durchgängig der Fall war. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Zahl der versorgten Menschen deutlich gestiegen ist. Das hat damit zu tun, dass bei vielen anerkannten Asylbewerbern die Familienzusammenführung erfolgt ist.
Einen genauen Überblick über die Statistik wird uns später Anni Pröbsting geben.

Geholfen hat uns die fünfte Ausgabegruppe, die wir sseit dem 1. März 2016 jeweils dienstags eingerichtet haben. Der Verlauf der Ausgabe hat sich dadurch in allen Gruppen spürbar entspannt.

Unsere Tafel ist in jeder Hinsicht hervorragend aufgestellt. Zu allererst in personeller Hinsicht. Die Zahl der Mitglieder ist im Vergleich zum Vorjahr von 226 auf 235 gestiegen. 121 davon sind aktiv für Bedürftige im Einsatz.

Hervorragend aufgestellt ist dieTafel Lüdinghausen auch in finanzieller Hinsicht. Dazu wird uns unsere Schatzmeisterin Marion Schmidt später eine genaue Übersicht geben. In diesem Zusammenhang danke ich auch Franz Schmidt, der seiner Frau bei den Kassengeschäften zur Seite stand und für die Tafel als Controller wirkte.

Die gute finanzielle Lage, zu der wesentlich Spenden aus der Bevölkerung und von Unternehmen, Einnahmen durch Bußgelder, Mitgliedsbeiträge und die Einnahmen bei den Warenausgaben beigetragen haben, hat uns verschiedene Investitionen im vergangenen Jahr erleichtert.

Investitionen 2016

— Ausgabe von Tornistern an Kinder von Tafel-Kunden, finanziell ermöglicht durch eine Spende der Volksbank Lüdinghausen-Olfen

– Abgabe des kleinen und Kauf des großen Transporters – Fortsetzung des im Juli 2014 gestarteten Projekts „Mittagsmahlzeit“ in Kooperation mit „Essen auf Rädern“ der Caritas. Menschen, die von Sozialämtern dem „Essen auf Rädern“ zugewiesen wurden, half der aus Spenden gespeiste Tafel-Fonds, den Eigenbeitrag für die Mittagsmahlzeit zu zahlen. Ausgangspunkt dieses Projektes war die Überlegung, Menschen, die bedürftig sind, die aber aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Tafel kommen können oder wollen, zu unterstützen. Zurzeit ist das Projekt, mit dem wir einen weiteren Akzent für unseren Auftrag der Gemeinnützigkeit setzen, ausgesetzt.

Das Sozialamt des Kreises Coesfeld hat dem Caritasverband mitgeteilt, dass – bezogen auf den eigenen Zuschuss des Kreises – geprüft werden soll, ob und in welcher Höhe dieser Zuschussbetrag von einem Euro je Mahlzeit berücksichtigt werden muss. Ich habe der Abteilung Soziales und Jobcenter beim Kreis Coesfeld vor einem Monat einen Brief geschrieben und auf die nach meiner Ansicht eindeutigen Aussagen des Sozialgesetzbuchs hingewiesen. Eine Antwort steht noch aus.

Aktivitäten 2016

— regelmäßiger Gedankenaustausch mit Nachbartafeln, vor allem mit Ascheberg und Senden

— 1-plus-Aktionen von Firmlingen in Lüdinghausen, Seppenrade, Nordkirchen, Südkirchen und Capelle sowie von der Caritas in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle

— Seit Juni 2014 unterstützen wir, wie auch die Tafeln Coesfeld und Senden, die Münsteraner Tafel-Ausgabestelle Albachten. Der Bruch zwischen Münster und Albachten war entstanden, weil der Münsteraner Tafel-Vorsitzende keine Ware mehr geben wollte, solange Flüchtlinge aus Flüchtlingsunterkünften zu den Kunden zählten. Begründung: Dafür reiche die vorhandene Ware nicht aus. Albachten wollte keinerlei Unterschied machen und wird seitdem von Coesfeld, Lüdinghausen und Senden mit Ware versorgt. Ich habe angeregt, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen müssen, um über das weitere Handeln nachzudenken.

— 7.Juli Sommerfest im und am Bauhaus der Burg Lüdinghausen;

— 15. September Fahrt nach Papenburg zur dortigen Meyer-Werft

— 1. Oktober 1-plus-Aktion und bundesweiter Tafeltag

— Burgcafe anlässlich des Hobby- und Künstlermarktes am 1. Advent (26./27. November) – Erlös: 1676 Euro

— 18. Dezember Weihnachtsfeier

— 19. Dezember Ausgabe der Weihnachtstüten, Dank an das Tüten-Team
21. Dezember letzte Ausgabe in 2016; erste Ausgabe 2017 am 11. Januar

 

Geplante Aktivitäten 2017

— 29. April 1-plus-Aktionen der Firmlinge in Seppenrade   und Lüdinghausen

— 13.  Juli Sommerfest im Bauhaus der Burg Lüdinghausen

— 7. Oktober eigene 1-plus-Aktion

— (evtl.) 1. Advent Burgcafe beim Weihnachtsmarkt der Hobbykünstler

— (evtl.) Weihnachtsfeier der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 

— 18. Dezember Ausgabe der Weihnachtstüten 

— 20. Dezember letzte Ausgabe

— 10.Januar erste Ausgabe 2018

 

Geplante Investitionen 2017

— Ergänzung des Wetter- und Regenschutzes am Kundeneingang

— evtl. Fortsetzung des Projekts „Mittagsmahlzeit“; das Projekt soll solange fortgesetzt werden, wie es durch Spenden finanziell ermöglicht wird –
– sofern das Kreissozialamt und der Caritasverband Einvernehmen erzielen. Wir als Tafel würden jedenfalls gerne weiter helfen.

— Ausgabe von Tornistern an Kinder von Tafelkunden, wiederum finanziert durch die Volksbank

Finanzen

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir mit der Abgabe des kleinen Lieferwagens und dem Kauf des gebrauchten großen Transporters erheblich investiert.
Das lässt sich entsprechend am Vereinsvermögen ablesen, das zum Jahresende 2016 noch rund 44 000 Euro betrug.
Durch den zeitnahen Einsatz des uns auch durch Spenden zur Verfügung gestellten Geldes erfüllen wir die Anforderungen, die an einen gemeinnützigen Verein gestellt werden.
Das vorhandene Geldvermögen gibt uns ein Polster, falls die tragende Säule der Spendeneingänge dünner wird. Die jährlichen Festkosten belaufen sich auf über 36 000 Euro.
Dem stehen gesicherte Einnahmen durch das Entgelt bei der Warenausgabe und durch Mitgliedsbeiträge gegenüber.
Ohne weitere Geldeingänge müsste die Tafel rote Zahlen schreiben. Dass dies nicht der Fall ist, verdanken wir zahlreichen Spendern. Jahr für Jahr helfen uns Privatpersonen und Unternehmen in großzügiger Weise. Dafür danke ich auch an dieser Stelle recht herzlich.
Die großartige Unterstützung werte ich auch als Anerkennung für unsere ehrenamtliche Arbeit im Dienst bedürftiger Menschen.
Ausführlich wird unsere Schatzmeisterin Marion Schmidt anschließend über die Kassenlage informieren.

So weit mein Geschäftsbericht. Danke für die Aufmerksamkeit.

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